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20. Juli 2021 | PM 09/2021

Mit großem Einfluss kommt große Verantwortung: Die EU und die Schwarzmeerregion übernehmen die Führungsrolle auf dem globalen Weizenmarkt

IAMO Policy Brief 41 betont die gestiegene Verantwortung der EU und der Schwarzmeerregion für die globale Ernährungssicherheit.

Der globale Weizenhandel hat weltweit zugenommen. In den letzten 20 Jahren sind die Weizenimporte um 53 Prozent auf 179 Millionen Tonnen gestiegen. Ursächlich dafür ist die Importnachfrage asiatischer und afrikanischer Länder aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen und steigender Einkommen. Im IAMO Policy Brief 41 beleuchten die IAMO Wissenschaftler Osama Ahmed, Thomas Glauben, Maximilian Heigermoser und Sören Prehn die aktuellen Entwicklungen im globalen Weizenhandel und reflektieren die neue Rolle der EU und der Schwarzmeerregion bei Exporten.

Aktuell gehören der Nahe Osten und Nordafrika zu den größten Importeuren von Getreide. So führte Ägypten im Jahr 2020/2021 die Spitze an, Algerien und Marokko folgten auf den Plätzen vier und acht. Historisch gesehen wurden die sogenannten MENA-Länder primär von den USA mit Weizen beliefert. In jüngster Zeit haben jedoch Schwarzmeer-Exporteure wie Russland, die Ukraine und Kasachstan, aber auch die EU ihre Weizenexporte in die Region deutlich ausgeweitet.

Zeitgleich ist seit Mitte des letzten Jahrzehnts zu beobachten, dass der Euronext-Terminmarkt für die Preisfindung auf internationalen Weizenmärkten gegenüber den bisher dominierenden US-Terminmärkten an Bedeutung hinzugewonnen hat. Tatsächlich scheinen die US-Terminmärkte seit 2015 zunehmend auf Veränderungen an der Euronext (MATIF) zu reagieren und nicht mehr umgekehrt.

Im IAMO Policy Brief konstatieren die Autoren, dass sich die Führungsrolle im weltweiten Weizenexport von den USA auf die EU und die Schwarzmeerregion verschoben hat. Daraus resultiere eine größere Verantwortung, wenn es um die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln und damit um den Kampf gegen Hunger und Unterernährung geht.

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, empfehlen die Wissenschaftler eine engere Kooperation zwischen den großen westlichen und östlichen Volkswirtschaften und warnen vor den Gefahren eskalierender Wirtschaftssanktionen und Gegensanktionen. Denn solche Markteingriffe stören die Handelsbeziehungen und benachteiligen importbedürftige Entwicklungsländer. IAMO-Direktor Thomas Glauben unterstreicht: „Es ist eine Binsenweisheit, dass internationale Geschäftsbeziehungen nicht nur das wirtschaftliche Wohlergehen der Menschen befördern, sondern auch zur Milderung internationaler Konflikte beitragen können. Die Erwartung, dass man eigene Interessen und Wertvorstellungen in anderen Ländern durch den Abbruch von Wirtschaftsbeziehungen durchsetzen kann, ist naiv.“

Der IAMO Policy Brief 41 „Mit großem Einfluss kommt große Verantwortung: Die EU und die Schwarzmeerregion übernehmen die Führungsrolle auf dem globalen Weizenmarkt“ ist auf Deutsch, Englisch und Russisch erschienen.

IAMO Policy Briefs

Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht. Einen Überblick über alle IAMO Policy Briefs erhalten Sie hier: www.iamo.de/publikationen/iamo-policy-briefs.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
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