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18. April 2019 | PM 03/2019

Mehr Wettbewerbsfähigkeit in der usbekischen Landwirtschaft durch zweckmäßige Umstrukturierung der Agrarbetriebe

IAMO Policy Brief 36 beleuchtet den Umstrukturierungsprozess in Usbekistan und gibt Empfehlungen für die nächsten Schritte zur Erhöhung der Produktivität und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Landwirtschaft

Die usbekische Regierung gab im Januar 2019, gemeinsam mit Plänen zur landwirtschaftlichen Diversifizierung, zur Verkleinerung der Anbaufläche für Baumwolle und zur Förderung des ländlichen Agrarsektors, weitere Impulse für Optimierungsprozesse in der Landwirtschaft. Unter Beachtung der landwirtschaftlichen Reformen bewerten die IAMO-Autoren Martin Petrick und Nodir Djanibekov den bisherigen Erfolg der Umstrukturierung im Agrarsektor. Sie beleuchten die Frage, was politische Entscheidungsträger als nächsten Schritt zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit in der Landwirtschaft tun sollten, ohne die sozialen Folgen der Reformen aus den Augen zu verlieren. Der IAMO Policy Brief geht aus der gemeinsamen Arbeit mit der Weltbank als Teil analytischer und beratender Leistungen zur Unterstützung der Modernisierung im usbekischen Agrarsektor hervor.

Die Restrukturierung in der usbekischen Landwirtschaft folgte einem nicht-linearen Weg, durch den sich der Agrarsektor zu einem zuverlässigen Lieferanten für Exporteinnahmen, Grundnahrungsmittel und Arbeitsplätze wandelte. Die Optimierungsbemühungen der letzten Zeit richten sich auf die Vergrößerung der Agrarbetriebe und die Diversifizierung von der Baumwolle hin zum Gartenbau und Gartenbaubetrieb. Jedoch behindern unzureichende Finanzmittel, fehlende Verbindungen mit den Vertriebskanälen, das Nichtvorhandensein von Rollenmodellen und eine große Unerfahrenheit der Landwirte und Landwirtinnen mit alternativen Anbauverfahren die Ausweitung von Kulturen jenseits von Baumwolle und Weizen. Wiederholte Restrukturierungen im Agrarsektor, die von Unsicherheiten bei der Landpacht begleitet waren, haben die landwirtschaftliche Betriebsführung und Investitionsanreize eingeschränkt. „Im Ergebnis sind hochwertige Feldfrüchte und Tierbestände vorwiegend in Haushalten angesiedelt, obwohl Ackerland hauptsächlich an Einzelbetriebe vergeben wurde,“ sagt Nodir Djanibekov, einer der Autoren und Wissenschaftler am IAMO.

Die Auswirkungen der kürzlich unternommenen Liberalisierungsversuche müssen sich gemeinsam mit den Zielen zur Diversifizierung des Anbauportfolios in Einzelbetrieben erst noch im Agrarsektor niederschlagen. Die weltweiten Erfahrungen zeigen, dass Agrarstrukturen flexibel sein sollten. Dies gilt besonders in Asien, wo die Landfläche begrenzt und die Bevölkerungsdichte und der Urbanisierungsgrad hoch sind. „Statt bei staatlichen Optimierungsprogrammen auf eine bestimmte Betriebsart oder -größe abzuzielen, sollte die Regierung die Landwirte und Landwirtinnen mit Marktsignalen und einer optimalen Auswahl an unterstützenden öffentlichen Dienstleistungen versorgen. Den Betreibern sollte das Vertrauen geschenkt werden, sich selbst um den landwirtschaftlichen Betrieb kümmern zu können,” erklärt Martin Petrick, einer der Autoren und Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Der Studie zufolge verfügt ein liberalisiertes Marktumfeld im Agrarsektor über das Potenzial, schlüssige Signale über wirtschaftsweite Knappheiten auszusenden und somit die Effizienz und Profitabilität der Produzenten und Produzentinnen zu steigern. Die zukünftige staatliche Unterstützung sollte den Markt ergänzen und grundlegende öffentliche Dienstleistungen bereitstellen, wie z. B. Wasser- und Transportinfrastruktur, Know-how und Regeln für den nationalen und internationalen Handel. Es werden entschlossenere Reformen nötig sein, damit die Produktivität weiter verbessert und die Wettbewerbsfähigkeit im Agrarsektor erhöht werden können.

Das schließt auch die Abschaffung der Baumwoll- und Weizenquoten ein, um so die bäuerliche Handlungsfreiheit zu ermöglichen. Höhere Erzeugerpreise für die über die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche einnehmenden strategischen Feldfrüchte werden die Profitabilität im Agrarsektor erhöhen. Die Formalisierung der kommerziellen Kommunikation und Kreditvereinbarungen außerhalb des staatlichen Einflusses sowie Zugang zu optimalen unterstützenden öffentlichen Dienstleistungen werden grundlegend für die erfolgreiche Transformation des Agrarsektors sein. Um die Investitionsanreize für die Landwirte und Landwirtinnen nicht zu verwässern, sollten unbedingt unvorhersehbare Interventionen bei der Landvergabe vermieden werden. Schließlich wird auch eine höhere Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft ohne eine erhebliche Freisetzung von Arbeitskräften aus dem Sektor nicht erreicht werden. Deshalb sind Maßnahmen über den Agrarsektor hinaus gefordert.

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Weitere Informationen

Der IAMO Policy Brief 36 „Farm Restructuring in Uzbekistan: What Next?“ ist in deutscher, russischer und usbekischer Sprache erschienen. Die Publikation kann auf der nachfolgenden Internetseite kostenfrei heruntergeladen werden: www.iamo.de/publikationen/iamo-policy-briefs.

IAMO Policy Briefs

Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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