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28. Oktober 2016 | PM 16/2016

Informationsnetz Landwirtschaftlicher Buchführungen als Grundlage für die Politikbewertung

IAMO Policy Brief 29 zeigt grundsätzliche Probleme bei der Datenerhebung und -auswertung auf

Die Europäische Kommission hat die Aufgabe, die agrarpolitischen Maßnahmen hinsichtlich der Wirksamkeit der Direktzahlungen mit Hilfe der Datengrundlage „Informationsnetz Landwirtschaftlicher Buchführungen“ (INLB) zu bewerten. Ob die Europäische Kommission diesen Auftrag des Gesetzgebers angemessen erfüllen kann, erläutern IAMO Visiting Research Fellow Ulrich Koester und Wissenschaftler Jens-Peter Loy, beide Professoren am Institut für Agrarökonomie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, in der Publikation IAMO Policy Brief 29. Dazu überprüfen die Wissenschaftler, ob die Auswahl der landwirtschaftlichen Betriebe repräsentativ im Hinblick auf diejenigen Betriebe ist, die durch agrarpolitische Maßnahmen beeinflusst werden sollen.

„Jede GAP-Maßnahme sollte überwacht und bewertet werden, um ihre Qualität zu verbessern und ihre Wirksamkeit aufzuzeigen“, so wird es in der Präambel der EU-Verordnung gefordert. (vgl. Ziffer 68 der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013) Daher ist zu untersuchen, ob das INLB, das laut offizieller Verlautbarung als Grundlage für Politikbewertungen genutzt werden soll, auch für die Quantifizierung der Wirkungen der Direktzahlungen auf die offiziellen agrarpolitischen Ziele verwendet werden kann.

Die Autoren der Publikation kommen nach ihrer Analyse zu dem Schluss, dass der gegenwärtige Datensatz des INLB für die Bewertung der Einkommenswirkungen von Direktzahlungen nicht geeignet ist. Die Stichprobe für die Auswahl der Betriebe für das INLB erfolgt nicht aus der Population aller Betriebe, die Direktzahlungen erhalten. Folglich kann die Wirkung für eine Gruppe landwirtschaftlicher Betriebe mit Hilfe dieser Daten nicht ermittelt werden. Von wahrscheinlich größerer Bedeutung ist die Erkenntnis, dass mit Hilfe der Daten das sogenannte „landwirtschaftliche Einkommen“ (das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit) und nicht das Einkommen der Landwirte erfasst wird. Des Weiteren hat sich die Datenerhebung im Zeitverlauf verändert und es gibt bei der Ermittlung erhebliche Unterschiede zwischen den EU-Ländern.

Im IAMO Policy Brief 29 wird argumentiert, dass grundsätzlich nicht mit einer einzigen Stichprobe alternative Politikmaßnahmen überprüft werden können. Zudem werden erhebliche Schwächen bei der Erhebung der Daten identifiziert und eine mangelnde Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den EU-Ländern aufgezeigt.

Text: 2.544 Zeichen (mit Leerzeichen)

IAMO Policy Brief 29

Koester, Ulrich; Loy, Jens-Peter (2016): Das Informationsnetz Landwirtschaftlicher Buchführungen als Grundlage für die Politikbewertung. IAMO Policy Brief No. 29, Halle (Saale).

IAMO Policy Briefs

Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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