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30. Januar 2017 | PM 03/2017

Herausforderungen und Ansätze einer effizienten Wasserversorgung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

Ergebnisse einer Podiumsdiskussion auf dem Global Forum for Food and Agriculture in Berlin

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche organisierte das IAMO in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA) am 19. Januar 2017 auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) in Berlin ein agrarpolitisches Fachpodium mit dem Titel „Alles fließt? Die Ressource Wasser als entscheidender Faktor für die Agrarwirtschaft in Osteuropa und Zentralasien“. Auf der Veranstaltung tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Agrartechnik, internationaler Zusammenarbeit und landwirtschaftlicher Praxis gemeinsam mit rund 130 Gästen über die Herausforderungen der nachhaltigen Wasserversorgung landwirtschaftlich genutzter Flächen der Region aus. Das GFFA fand in diesem Jahr unter dem Titel „Landwirtschaft und Wasser – Schlüssel zur Welternährung“ und der Federführung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) statt.

In der Eröffnungsrede des Fachpodiums wies IAMO-Direktor Professor Alfons Balmann auf die zunehmende Bedeutung der Länder Osteuropas und Zentralasiens als Exporteure von Agrarprodukten, wie Getreide, Ölsaaten, Obst und Gemüse, hin. Auch wenn bisher noch erhebliche Defizite in den Infrastrukturen und institutionellen Regeln sowie ein Mangel an Kapital und Knowhow in den Agrarunternehmen bestehen, müssen vorhandene Potenziale genutzt werden. Einerseits gebe es in der Region umfangreiche fruchtbare Böden, auf der anderen Seite herrschen häufig besondere klimatische Bedingungen, darunter extreme Temperaturen und Wassermangel. Vor allem die knappen Wasserreserven und der steigende Wasserbedarf stellen eine große Herausforderung für diese Region dar.

Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), betonte in seinem Grußwort, dass Boden und Wasser die essentiellen Ressourcen in der Landwirtschaft seien. „Neueste Prognosen sagen, dass es im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen auf der Welt geben wird. Um die wachsende Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrungsmitteln versorgen zu können, bedarf es einer funktionierenden Agrarproduktion“, erklärte Aeikens. Nur ein nachhaltiges Ressourcenmanagement könne die Produktivität in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens dauerhaft steigern, um so einen Beitrag zur Welternährung und Stabilisierung des globalen Wirtschaftssystems zu leisten.

Vor dem Hintergrund der steigenden Wasserknappheit stellte Professor Dieter Gerten, Professor für Klimasystem und Wasserhaushalt im Globalen Wandel an der Humboldt-Universität zu Berlin und Coordinator Earth Modelling am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), in seinem Keynote-Vortrag  Ansätze für ein effizientes Wassermanagement in der Landwirtschaft vor. Es seien Maßnahmen zu ergreifen, die den Süßwasserverbrauch und die Verschmutzung des Grundwassers deutlich reduzieren würden. So könnten durch verbesserte Bewässerungssysteme, die Sammlung von Regenwasser und Vermeidung von Wasserverdunstung rund 20 Prozent des globalen Wasserverbrauchs reduziert und negative Klimafolgen abgemildert werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion erläuterte Professor Hans-Georg Frede, langjähriger Leiter des Instituts für Landeskultur und Professur für Ressourcenmanagement an der Universität Gießen sowie Experte der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für den Bereich Wasser, dass für die Bewirtschaftung von Agrarflächen der größte Anteil des Süßwassers verbraucht werde. Durch die traditionelle Pflanzenbewässerung, die heute noch in vielen Ländern Osteuropas und Zentralasiens stark verbreitet sei, gehen etwa 70 bis 80 Prozent des Wassers verloren. Der Einsatz moderner und effizienter Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft biete die größten Möglichkeiten der Wassereinsparung und trage zugleich zum Ausbau der Agrarproduktion bei.

Trotz Trockenperioden im Süden der Ukraine sieht Dr. Olga Trofimzewa, Vizeministerin für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, große Potenziale in der Landwirtschaft. Die Regierung habe sich die Überarbeitung der teilweise veralteten Gesetzgebung, die Verbesserung der Infrastrukturen und vor allem der Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Investoren auf die Fahnen geschrieben. Eine besondere Priorität, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, nehme die schnelle und effektive Gestaltung des Wassermanagements und der Wassereinsparung unter Einbeziehung der beteiligten Interessensgruppen aller Wertschöpfungsebenen ein.

Askar Nametov
, Leiter des Nationalen Agrarforschungs- und Bildungszentrums in Kasachstan, erklärte auf dem Fachpodium, dass auch die kasachische Regierung eine stärkere Intensivierung der Landwirtschaft beschlossen habe. Besondere Probleme für die landwirtschaftliche Bearbeitung der Region liegen in der Versalzung von Böden und Austrocknung von Flüssen. Es müssen daher wassersparende Technologien entwickelt, versalzende Böden vermieden bzw. wieder nutzbar gemacht, salzresistente Kulturpflanzen gezüchtet und die Nutzung grenzüberschreitender Flüsse mit den Nachbarländern abgestimmt werden. Neben globalen Lösungsansätzen werden insbesondere Investitionen in neue Technologien, wie Tropfbewässerung und Anbau in Gewächshäusern, sowie die staatliche Unterstützung von Investoren durch Vergünstigungen bei Steuern und Zöllen diskutiert.

Zusammenfassend stellte Moderator Torsten Spill, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA), fest: „Die Folgen von Wassermangel, Missernten und Dürre machen nicht vor Landesgrenzen halt. Die Nutzung von Wasserressourcen erfordert daher neben dem nötigen Augenmaß auch eine politische Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg, ebenso wie zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zur effizienten Wassernutzung ist moderne Technik von besonderer Bedeutung. Investitionen in neue Technologien ermöglichen Ressourceneffizienz und Ressourcenschutz.“

Weiterführende Informationen und die Fotogalerie zum Fachpodium finden Sie hier.

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Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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