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11. Februar 2022 | PM 02/2022

Herausforderungen für eine nachhaltige Landnutzung

Podiumsgäste diskutierten über Lösungen für eine optimale Nutzung von Bodenressourcen

Klimawandel, Bodendegradation und Wassermangel bedrohen die Bodenfruchtbarkeit und somit die Grundlage der Landwirtschaft. Die zunehmende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu befriedigen und gleichzeitig ökologische Integrität zu erhalten, stellt sich als eine besondere Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund kamen Experten und Expertinnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft online zusammen, um über das Thema „Securing #soilidity. Herausforderungen und Lösungen für eine nachhaltige Landnutzung“ zu diskutieren. Das Fachpodium fand am 27. Januar 2022 im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) statt und wurde von der German Agribusiness Alliance (GAA) in Kooperation mit dem IAMO organisiert.

Die Podiumsdiskussion wurde von Julia Harnal, Vorsitzende des German Agribusiness Alliance, moderiert. In ihrer Eröffnungsrede wies sie auf die zentrale Rolle der Landwirtschaft hin. Neben der Produktion von Nahrungsmitteln müsse die landwirtschaftliche Bewirtschaftung auch im Zusammenspiel mit Natur und Umwelt betrachtet werden. Weltweite Debatten beschäftigen sich damit, wie ökonomische und ökologische Effizienz langfristig in Einklang gebracht werden könne. Im Rahmen des Fachpodiums sollten vorhandene Potenziale sowie Lösungsansätze in Forschung und Praxis aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

In der Begrüßungsrede machte Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, darauf aufmerksam, dass der Erhalt und der Schutz der Böden eine globale Aufgabe sei. Gesunde Böden seien eine der wertvollsten Ressourcen für die Nahrungsmittelproduktion, können als Kohlenstoffspeicher den Klimawandel eindämmen und bieten Lebensgrundlage für Pflanzen und Tier. Jedoch sei in vielen Teilen der Welt die Fruchtbarkeit der Böden aufgrund von Klimawandel und Bodendegradation bedroht. Die zunehmende Nachfrage nach Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen als Ersatz für fossile Ausgangsstoffe erfordere eine nachhaltige und bodenschonende Bewirtschaftungsweise. Das Landwirtschaftsministerium befasse sich mit einer Vielzahl an Kooperationen und Projekten in Russland, China und der ganzen Welt, um die globalen Herausforderungen im Dreieck von Landwirtschaft, Ernährung und Klimawandel erfolgreich zu bewältigen.

Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen

Prof. Dr. Julia Pongratz, Direktorin Department für Geographie an der Ludwigs-Maximilians-Universität München, erläuterte, dass ein Viertel der menschgemachten Emissionen jedes Jahr aus der Land- und Forstwirtschaft entstünde. Daher sollte auch in der Landwirtschaft das zukünftige Ziel gelten, die Emissionen substantiell langfristig zu reduzieren und mehr CO2 zu binden. Schwer vermeidbare Emissionen könnten durch bestimmte Maßnahmen kompensiert werden, dazu zählen Aufforstung, Kohlenstoffbodenspeicherung, Biomasseplantagen und der Einsatz von Biokohle. Damit ließen sich insgesamt mehrere Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre entziehen. Auch wenn diese Methoden einen entscheidenden Beitrag zur Klimaneutralität beitragen könnten, müsse hinsichtlich unerwünschter Nebeneffekte, wie Einflüsse auf das Ökosystem und Konkurrenz zu anderen Landnutzungsmöglichkeiten, eine umfassende wissenschaftliche und politische Bewertung erfolgen.

Klimaschutz und Bodenerhaltung in Russland

Prof. Dr. Pawel Krasilnikow, Dekan Department für Bodengeografie an der Staatliche Lomonossow-Universität Moskau, berichtete, dass in der Vergangenheit im Süden Russlands eine intensive Bodenbewirtschaftung erfolgte. Die starke Bodenbelastung führte zu zahlreichen negativen Effekten, darunter Bodendegradierung, Erosionsprozesse, Versalzung, Verdichtung und Verlust von Humus. Zugleich nehmen die Folgen des Klimawandels durch Trockenperioden und Starkregen in Russland immer weiter zu. Die bisherigen Erkenntnisse sollten dazu genutzt werden, zukünftig eine klimatisch angepasste Landwirtschaft zu realisieren. Maßnahmen für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und gegen Klimaveränderungen beinhalten u. a. Verringerung von Aufpflügung, reduzierter Einsatz von Pestiziden, Nutzung optimierter Bewässerungssysteme und Einsatz digitaler Technologien. In Russland setze man dabei auf die Zentralisierung, da landwirtschaftliche Großbetriebe zumeist ein größeres Verantwortungsbewusstsein in Hinsicht Klimaschutz und Bodenerhaltung besitzen.

Digitalisierung von Landtechnik

Geschäftsführerin Cornelia Horsch erklärte, dass in ihrem Landtechnikunternehmen HORSCH Maschinen GmbH Bodenbearbeitungs- und Sämaschinen entwickelt werden, die an unterschiedliche Boden- und Klimabedingungen angepasst seien. Sie ist davon überzeugt, dass sich der moderne Agrarsektor zukünftig in Richtung einer Hybridlandwirtschaft, also der Kombination aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft, entwickelt werde. Neben guter Ausbildung, Weiterbildung und den Erfahrungen der Landwirte und Landwirtinnen dienen vor allem die Digitalisierung von Maschinen und Prozessen als wichtige Entscheidungshilfen. Eine besondere Relevanz sollte der fortschreitende Ausbau digitaler Netzwerke in ländlichen Regionen haben, um den Informationsaustausch in der Landwirtschaft zu verbessern.

Nachhaltige Bodennutzung durch Pflanzenzucht

Torsten Spill, Generalbevollmächtigter der German Seed Alliance GmbH, legte dar, was die Entwicklung und Produktion von Saatgut zur nachhaltigen Bodennutzung beitragen. Optimierte Mischungen von Zwischenfrüchten bzw. Untersaaten können Böden dauerhaft verbessern, beispielsweise durch Stickstofffixierungen, Humus- und Nährstoffaufbau sowie Verringerung von Erosion und Unkraut. Des Weiteren werden neu Pflanzensorten entwickelt, die selbst unter extremen Bodenbedingungen, wie Trockenheit, Feldüberflutungen und Versalzungen, ausreichende Erträge einbringen. Spill merkte an, dass in der Pflanzenzucht vor allem gute gesetzliche Rahmenbedingungen zum Sortenschutz, hinsichtlich Lizenzrechte in der Forschung und Schutz des geistigen Eigentums der Züchter, erforderlich seien. Zudem sollten Partnerschaften zwischen Wirtschaft und staatlichen Instituten in der Grundlagenforschung des Pflanzenbaus intensiviert und der internationale Austausch verbessert werden. Prof. Dr. Pawel Krasilnikow ergänzte, dass Russland sehr stark von den Saatgutimporten anderer Länder abhängig sei. Deshalb werde in der russischen Landwirtschaft daran gearbeitet, in Zukunft selbst mehr neue Saatgutsorten zu entwickeln und international auszutauschen.

Ausweitung der Anbauflächen in China

Prof. Dr. Bin Zhang, Chief Scientist an der Chinese Academy of Agricultural Sciences (CAAS), erwähnte, dass die Selbstversorgung der chinesischen Bevölkerung von etwa 1,4 Milliarden Menschen eine zentrale Aufgabe einnehme. Dies sei jedoch teilweise aufgrund der Verringerung des Ackerlandes durch Verstädterung, Verschlechterung der Bodenqualität, des Wassermangels, der Umweltverschmutzung und Lebensmittelverschwendung noch mit großen Herausforderungen verbunden. Ziel sei es, die Anbauflächen und Erträge nachhaltig auszuweiten und die Einkommen in der Landwirtschaft zu erhöhen, um weniger auf Lebensmittelimporte aus dem Ausland angewiesen zu sein. Die chinesische Regierung habe dazu zahlreiche neue Aktionspläne für eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Landwirtschaft auf den Weg gebracht, dies beinhalte u. a. rechtliche Regelungen zum Schutz von Ökosystemen, Bodenqualität und ländlichen Lebensräumen sowie finanzielle Subventionen für den Einsatz neuer Technologien und von verbessertem Saatgut.

Die Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und dem Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialog statt.

Die Aufzeichnung des Fachpodiums 10 finden Sie hier: www.gffa-berlin.de/aufzeichnungen

Über das GFFA

Das 14. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) fand virtuell vom 24. bis 28. Januar 2022 unter dem Titel „Nachhaltige Landnutzung: Ernährungssicherung beginnt beim Boden“ statt. Das GFFA ist eine internationale Konferenz zu agrar- und ernährungspolitischen Fragen. Es wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA Berlin e.V. veranstaltet. Allgemeine Informationen zum GFFA 2022 erhalten Sie auf der Konferenzwebseite: www.gffa-berlin.de.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
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