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IAMO Forum 2019: Interview mit Plenarredner Aleksandr Petrikov (VIAPI)

12. Juni 2019 - Das diesjährige IAMO Forum widmet sich landwirtschaftlichen Kleinbetrieben. Höfe, die nur weniger als zwei Hektar groß sind, produzieren ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittel, kurbeln landwirtschaftliches Wachstum an und stärken ländliche Räume. Doch fehlende Nachwuchskräfte und Förderprogramme, die tendenziell Mittel- und Großbetriebe begünstigen, stellen die Kleinbauern vor große Herausforderungen. Das IAMO hat im Vorfeld des Forums Interviews mit einigen Plenarrednern geführt und veröffentlicht die Gespräche hier in den kommenden Wochen.

Prof. Petrikov, Sie untersuchen an Ihrem Institut die Entwicklung von Kleinbetrieben in Russland. Wie genau sind die kleineren Landwirtschaftsbetriebe aufgestellt, wie groß sind sie?

In Russland werden kleine Agrarbetriebe durch zwei Hauptgruppen vertreten: gewerbliche und nichtgewerbliche Betriebe. Zu den gewerblichen Kleinbetrieben gehören kleine Agrarbetriebe, bäuerliche (Familien-)Betriebe und Einzelunternehmer mit bis zu 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis zu 800 Millionen Rubel. Ebenso gehört zu den gewerblichen Betrieben eine Untergruppe von Kleinstbetrieben, deren Größe nach dem Gesetz 15 Mitarbeiter und 120 Millionen Rubel Umsatz pro Jahr nicht überschreiten sollte. Zu den nichtgewerblichen Kleinbetrieben gehören einzelne ländliche und städtische Haushalte, die ihre eigenen Grundstücke bewirtschaften, sowie gemeinnützige Zusammenschlüsse städtischer Haushalte (hauptsächlich Zusammenschlüsse von Datschen und Gartenbauern).

Nach der jüngsten statistischen Erhebung gab es 2016 in Russland 24.300 Kleinbetriebe, die 67,4 % der Gesamtzahl der Agrarbetriebe des Landes ausmachten. Gleichzeitig entfielen drei Viertel dieser Kleinunternehmen auf Kleinstunternehmen. Die durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche eines Kleinbetriebs betrug 3.989 Hektar, davon 2.864 Hektar Ackerland. Die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten in Kleinbetrieben betrug 15 pro Jahr. Es gab weiterhin 174.000 bäuerliche (Familien-)Betriebe und Einzelunternehmer. Die durchschnittliche Größe ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche betrug 226 Hektar (davon 154 ha Ackerland), während die Anzahl der Beschäftigten pro Jahr 2 betrug. Darüber hinaus gab es 23,4 Millionen nichtgewerbliche Nebenhaushaltsgrundstücke (davon 8,4 Mio. in städtischen Gebieten) mit einer durchschnittlichen Größe von 0,65 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (davon 0,14 ha Ackerland).

In welchen landwirtschaftlichen Sektoren spielen Kleinbetrieben die größte Rolle?

In Russland betreiben kleine Agrarunternehmen im Gegensatz zu Großunternehmen hauptsächlich Pflanzenbau, vor allem Kartoffel- und Gemüseanbau. Bäuerliche (Familien-)Betriebe, Einzelunternehmer und nichtgewerbliche Haushalte betreiben hauptsächlich Pflanzen- und Milchproduktion, Gartenbau, Viehzucht, Schaf- und Ziegenzucht. In den letzten zehn Jahren ist der Anteil gewerblicher Kleinbetriebe in der landwirtschaftlichen Produktionsstruktur gestiegen, während der Anteil der ländlichen Haushalte zurückgegangen ist. Zudem gibt es einen Rückgang einiger gewerblicher Betriebe bei gleichzeitigem Wachstum der Größe und des Viehbestandes. Unterdessen geht die Zahl der Tiere bei nichtgewerblichen ländlichen und städtischen Haushalten zurück sowie deren Anteil in allen anderen Sektoren der landwirtschaftlichen Produktion. Allerdings spielen die nichtgewerblichen Haushalte nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Kartoffel-, Gemüse-, Milch- und Wollproduktion in Russland.

Was sind heute die wichtigsten Herausforderungen für die Entwicklung von Kleinbetrieben in Russland? Welche wichtigen politischen Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Kleinbetriebe zu verbessern?

Derzeit haben russische gewerbliche Kleinbetriebe weniger Zugang zu Subventionen und Darlehen als größere Betriebe, und der Staat sollte in dieser Hinsicht Kleinbetriebe besser unterstützen. Insbesondere sollte mehr auf die Programme zur finanziellen Unterstützung neuer Landwirte, des Baus und Wiederaufbaus familiengeführter Viehzuchtbetriebe und der Gewährung von Hilfskrediten für Kleinbetriebe geachtet werden. Darüber hinaus ist es wichtig, eine vertikale landwirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kleinbetrieben und verarbeitenden Unternehmen, Lieferanten und Dienstleistern zu entwickeln. Derzeit sind nur 4 % der bäuerlichen (Familien-)Betriebe und Einzelunternehmer Mitglieder von Genossenschaften. Zudem ist der Digitalisierungsgrad der Kleinbetriebe noch gering. Die Unterstützung bei der Einführung innovativer Technologien in Kleinbetrieben würde es ihnen ermöglichen, wettbewerbsfähiger zu werden.

Was unternimmt Ihr Institut, um zur Entwicklung von Kleinbetrieben in Russland beizutragen?

Das nach Nikonov benannte All-Russische Institut für Agrarprobleme und -informatik (VIAPI) erforscht die Entwicklung von Kleinbetrieben und unterstützt landwirtschaftliche Gemeinschaften, Verbände und Genossenschaften mit Informationen. Die Forschung des VIAPI konzentriert sich auf die Methoden der statistischen Beobachtung von kleinbetrieblichen Aktivitäten, die staatliche Unterstützung von Kleinbetrieben sowie die Verbesserung der landwirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Danke, Prof. Petrikov, für das Gespräch. Wir sehen uns beim IAMO-Forum in Halle!