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Herausforderungen guter wissenschaftlicher Praxis für die Agrarforschung

07. Oktober 2020 - Auf der Informationsveranstaltung „Anforderungen an gute wissenschaftliche Arbeit: Neuere Entwicklungen und Erfordernisse der Agrarforschung in der Ukraine“ am 16. September 2020 stellte IAMO-Direktor Alfons Balmann seinen aktuellen Bericht zu diesem Thema vor.

In einer virtuellen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zu modernen Anforderungen an eine gute wissenschaftliche Praxis hob Alfons Balmann hervor, welche wichtigen gesellschaftlichen Funktionen gute Wissenschaft erfülle, darunter insbesondere die Schaffung von neuem Wissen, die Qualifizierung und den Wissenstransfer in der Gesellschaft, der Wirtschaft und Politik. An dieser Veranstaltung des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialoges (APD), die mit Unterstützung des wissenschaftlich-methodischen Zentrums für Hochschul- und Berufsbildung veranstaltet wurde, nahmen mehr als 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehrende sowie Experten der Agrarforschung aus verschiedenen Forschungs- und Hochschuleinrichtungen der Ukraine teil.

Im Rahmen dieser Veranstaltung verwies Alfons Balmann zunächst darauf hin, dass Regeln guter wissenschaftlicher Praxis nicht neu seien. Zudem erläuterte er, dass die in internationalen Abkommen zugesicherte Freiheit von Forschung und Lehre zugleich eine hohe Verantwortung für die Wissenschaftsgemeinschaft bedeute. Einige Fehlentwicklungen und Erfahrungen der jüngeren Zeit hätten jedoch dazu geführt, dass bedeutende Forschungsorganisationen, wie auf europäischer Ebene die All European Academies (ALLEA) in 2017 und in Deutschland die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in 2019, jeweils einen neuen Kodex eingeführt hätten. Beide Kodexe beinhalten weitgehend ähnliche neue Schwerpunktsetzungen. Insbesondere nehmen sie die Forschungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und die jeweils verantwortlichen Akteure stärker in die Pflicht. Sie seien nicht mehr nur dafür verantwortlich, dass wissenschaftliche Fehlverhalten, wie Plagiate oder Fälschungen, zu vermieden und gegebenenfalls zu sanktionieren, sondern eine Kultur guter wissenschaftlicher Praxis zu ermöglichen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Qualifikation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Fragen der Forschungsethik und des Standes moderner Forschung hinsichtlich Theorien, Methoden und Forschungskonzepte. Diese Kenntnisse und der Zugang zu moderner Literatur sind Voraussetzungen für gute Forschung ebenso wie für Qualifizierungen, Leistungsbewertungen und den Wissenschaftstransfer. Zudem ging Alfons Balmann auf Fragen der Wissenschaftsadministration ein und stellte fest, dass angesichts der Vielfalt der Aufgaben und Begrenztheit finanzieller Mittel in der Ukraine Zielkonflikte unvermeidbar seien. Allerdings müssen Entscheidungen über die Festlegung von Prioritäten, die Zuweisung von Ressourcen, die Unterstützung und Anerkennung und die Bewertung von Qualifikationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Standards guter wissenschaftlicher Praxis entsprechen. Wenn in einem Land wie die Ukraine wenig öffentliche Mittel für die Forschung zur Verfügung stehen, müssen die Aufgaben daran angepasst werden. Eine Überfrachtung mit Aufgaben bürge unter anderem das Risiko, falsche Anreize zu setzen, Macht und Position zu missbrauchen sowie Abhängigkeiten junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu ihren Mentorinnen und Mentoren zu schaffen. Alfons Balmann betonte weiterhin, dass es für die weitere Entwicklung der Agrarwissenschaften in der Ukraine notwendig sei, eine umfassende auf internationalen Standards basierende Evaluierung der wissenschaftlichen Einrichtungen durchzuführen. Universitäten, die nicht auf internationalem Niveau forschen können, sollten umgestellt werden und sich auf Lehre und Wissenschaftstransfer konzentrieren.

Im Verlauf der Diskussion stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Reihe von Herausforderungen und Problemen der ukrainischen Agrarwissenschaft fest, darunter die niedrigen Gehälter von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Schwierigkeiten beim Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften, Probleme bei der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Artikeln sowie die unzureichenden Kenntnisse der ukrainischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinsichtlich aktueller wissenschaftlicher Methoden. Die Veranstaltungsteilnehmenden waren sich einig, dass zur Bewältigung dieser Herausforderungen geeignete Maßnahmen ergriffen werden sollten. Dazu zählen beispielsweise die Bekämpfung von Korruption, die Durchführung interner Audits und Bewertungen wissenschaftlicher Einrichtungen und des Forschungspersonals, um die Einhaltung eines angemessenen wissenschaftlichen Verhaltens und der wissenschaftlichen Integrität sicherzustellen.

Den ausführlichen agrarpolitischen Bericht „Anforderungen an gute wissenschaftliche Arbeit: Neuere Entwicklungen und Erfordernisse der Agrarforschung der Ukraine“ von Prof. Dr. Alfons Balmann finden Sie hier.