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GEWISOLA-Fachbeiträge zum Thema „Landwirtschaft dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion“

30. September 2021 - Unter dem Titel „Landwirtschaft dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion: Rollenmodell für den Strukturwandel im Westen?“ organisierten IAMO-Partner und Mitarbeitende auf der diesjährigen GEWISOLA-Jahrestagung am 23. September 2021 eine Fachveranstaltung.

Die 61. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V. (GEWISOLA) fand vom 22. bis 24. September 2021 online zum Thema „Transformationsprozesse im Agrar- und Ernährungssystem: Herausforderungen für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ statt. In diesem Rahmen organisierten Forschende am Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und vom IAMO eine gemeinsame Veranstaltung mit mehreren Fachbeiträgen zum Thema „Landwirtschaft dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion: Rollenmodell für den Strukturwandel im Westen?“.

Der Untergang der Sowjetunion im Jahr 1991 löste eine Diskussion über die künftige Organisation der Landbewirtschaftung in den Nachfolgestaaten aus. Aufgrund der zögerlichen Umstrukturierung der früheren Kollektivbetriebe, unklaren Eigentumsrechten und kollabierenden Vermarktungskanälen brach die Produktivität der post-sowjetischen Agrarsektoren in den 1990er Jahren massiv ein. Inzwischen zeigen erste Analysen, dass es in den postsowjetischen Agrarsektoren zu einem dynamischen Nebeneinander verschiedener Betriebsformen gekommen ist, die sich mit ihren je eigenen Stärken behaupten. Kommerzialisierungsprozesse, teilweise enorme Technologiesprünge und eine mitunter enge Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik kennzeichnen den Sektor. Agrarunternehmen sehen sich vor der Herausforderung, die Interessen verschiedener Stakeholder auszutarieren und Erwartungen an soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu entsprechen. Die Fachbeiträge der Arbeitsgruppe zeichneten den Transformationsprozess nach, belegten diesen mit aktuellen Daten und gingen der Frage nach, inwieweit Veränderungen sichtbar werden, die auch in westlichen Agrarsektoren bereits im Gang sind.

Prof. Dr. Martin Petrick, ZEU und IAMO, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Landwirtschaftliche Betriebsformen in Russland, Ukraine und Kasachstan: Kommerzialisierung, Koexistenz, Kontinuität“. Russland, Ukraine und Kasachstan (RUK) haben das zum Ende der Sowjetunion erreichte landwirtschaftliche Produktionsniveau erst seit wenigen Jahren wieder überschritten. Im Hinblick auf z. B. die Rolle außerlandwirtschaftlicher Investoren, den Management-Import aus anderen Sektoren, die Aufgabe unrentabler Standorte und die langfristige Koexistenz verschiedener Betriebsformen beschäftigte er sich in seinem Beitrag mit der Frage, ob die agrarstrukturellen Entwicklungen in RUK ein Bild der Zukunft der Landwirtschaft in westlichen Ländern zeichnet. Download Vortrag

Zum Thema „Corporate Governance und Corporate Social Responsibility in Agroholdings“ sprach IAMO-Wissenschaftler Dr. Taras Gagalyuk. In seinem Vortrag wurde deutlich, dass sich im turbulenten institutionellen Umfeld der postsowjetischen Länder Russland, Ukraine und Kasachstan die großen Agroholdings umfassend sozial im ländlichen Raum engagieren. Im Unterschied zu westlichen Ländern zählen die Corporate Social Responsibility (CSR)-Aktivitäten von Agrarunternehmen zum täglichen Geschäft strategischer Legitimierung gegenüber Mitarbeiter:innen und Verpächter:innen. Jedoch zeigt sich, dass die angeblich moralisch motivierten CSR-Aktivitäten oftmals einen instrumentellen Hintergrund haben. Download Vortrag

In Ihrem Fachbeitrag mit dem Titel „Der Aufschwung der Veredlungswirtschaft in Russland“ ging IAMO-Wissenschaftlerin PD Dr. Linde Götz auf Russlands Importsubstitutionspolitik ein, welche zu einem dynamischen Wachstum im Geflügel- und Schweinesektor geführt hat. Es wurde deutlich, dass Russland bereits zum Nettoexporteur dieser Produkte avanciert ist. Dabei sind es die großen, gut in die Wertschöpfungskette integrierten Kapitalgesellschaften, welche die Geflügel- und Schweinefleischproduktion dominieren. Der Marktanteil der 10 größten Schweinefleischproduzenten liegt mittlerweile bei über 50 Prozent. Der Vortrag machte jedoch auch deutlich, dass zugleich jedoch die Preise für Endverbraucher:innen stark angestiegen sind. Auch haben die seit Ende 2020 zu beobachtenden vielfältigen handels- und preispolitischen Interventionen sowie die starken Schwankungen des Rubel-Wechselkurses das Risiko auf den russischen Fleischmärkten stark ansteigen lassen. Download Vortrag

Zum Abschluss der Veranstaltung fand eine Diskussionsrunde mit der ehemaligen amtlichen Ministerin für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, Dr. Olga Trofimtseva, statt.