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Ergebnisse des Workshops „Food 4.0 and Globalization“

11. Mai 2018 - Der Workshop „Food 4.0 and Globalization: Chancen und Herausforderungen für den Westbalkan - Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Veränderung der globalen Lieferketten von Lebensmitteln“ fand vom 26. bis 27. April 2018 in Belgrad, Serbien, statt. Die Veranstaltung wurde vom IAMO in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Belgrad und dem Leibniz-WissenschaftsCampus "Eastern Europe - Global Area" (EEGA) organisiert.

Die digitale Revolution hat bereits enorme Veränderungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft weltweit bewirkt. Die Beteiligten der Wertschöpfungsketten von Agrar- und Lebensmittelprodukten sind gezwungen, sich dem technischen Fortschritt anzupassen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den lokalen, nationalen und globalen Märkten zu erhalten oder zu verbessern.

Es besteht ein wachsender Bedarf an Kooperationen außerhalb des Rahmens der traditionellen Akteure von Agrar- und Lebensmittelprodukten, um Innovationsprozesse zu ermöglichen und neue Geschäftsmodelle zu schaffen, die von den Endverbrauchern akzeptiert werden. Diese neue Form der Zusammenarbeit zielt zunehmend darauf ab, den Bereich der Informationstechnologie in die Prozesse der Produktion, des Vertriebs und des Verkaufs von Agrar- und Lebensmittelprodukten einzubeziehen. Darüber hinaus sind Verbraucherinitiativen einer der wichtigsten Innovationstreiber, seit die digitale Revolution einen einfachen Zugang zu Informationen über Agrar- und Lebensmittelprodukte auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette ermöglicht. Diese gewaltigen Veränderungen sind besonders wichtig für die Mitglieder der Wertschöpfungsketten von Agrar- und Lebensmittelprodukten aus Ländern, die sich auf dem Weg zu sehr wettbewerbsintensiven Märkten befinden (z. B. die Europäische Union) oder sich den Weltmärkten öffnen. Dies gilt insbesondere für die Länder des westlichen Balkans, in denen die Landwirtschaft sowohl hinsichtlich ihres Beitrags zum Bruttoinlandsprodukts (BIP) als auch zur Gesamtbeschäftigung eine wichtige Rolle spielt.

Um die Bedeutung und den aktuellen Stand der Digitalisierung in der landwirtschaftlichen Produktion und Platzierung von Agrar- und Lebensmittelprodukten in den Ländern des Westbalkans herauszustellen, wurde der Workshop Food 4.0 organisiert. Am Workshop nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der westlichen Balkanländer teil, die die Gelegenheit hatten, sich über die innovativen digitalen Lösungen in der Landwirtschaft und die neuesten Marketinginstrumente zu informieren, die führende Unternehmen (und Institutionen) in Serbien bereits in ihrem Geschäft einsetzen. Einer der Hauptredner war Prof. Dr. Vladimir Crnojević, Direktor des BioSense-Instituts in Novi Sad, der die Vision der digitalen Landwirtschaft in Serbien vorstellte. Hier werden alle Produktionsprozesse vollständig digitalisiert und so die Erfassung großer Datenmengen ermöglicht. Diese vielfältigen Daten werden genutzt, um verschiedene digitale Werkzeuge zu entwickeln, die es den landwirtschaftlichen Erzeugerinnen und Erzeugern ermöglichen, ihre Produktion auf der Grundlage des tatsächlichen Potenzials des Bodens zu planen, die Inputs effizient auszugeben und höhere Erträge zu erzielen. Die BioSense hat bereits eine nationale Plattform für digitale Landwirtschaft - AgroSense - geschaffen, die rund 10.000 Nutzerinnen und Nutzer auf mehr als 10.000 ha in der Vojvodina (Nordserbien) hat. Indem sie nur ihre E-Mail-Adresse und das, was sie produzieren wollen (z. B. Weizen oder Mais) zur Verfügung stellen, können die Nutzerinnen und Nutzer ein völlig kostenloses Angebot an Dienstleistungen, wie digitale Bilder ihres Landes, genaue Wettervorhersagen, akkumulierte Niederschläge, Tage, an denen sie auf dem Land arbeiten sollen, digitale Aufzeichnungen von bereits durchgeführten Aktivitäten und vieles mehr, erhalten.

Dass eine solche Herangehensweise an die landwirtschaftliche Produktion nicht nur eine Vision ist, bestätigte Dipl.-Ing. Stanko Oparnica von Al Rawafed Serbia, als er darauf hinwies, dass sein Unternehmen Digitalisierungsinstrumente (z. B. digitale Feldkartierung, GPS, variable Aussaat, etc.) komplett bei der Bearbeitung von über 10.000 ha einsetzt. Einerseits haben digitale Lösungen bereits nach dem ersten Anwendungsjahr zu einer deutlichen Kostensenkung beigetragen, andererseits konnten Produktivität und Gewinn gesteigert werden.

Dass die Digitalisierung nicht nur zum Produktionsprozess beiträgt, sondern dass die Digitalisierung im weiteren Sinne (digitale Kommunikation mit Verbraucherinnen und Verbrauchern über Social Media) auch eine große Bedeutung bei der Schaffung von Marketinginstrumenten hat, zeigte Jelena Popović-Bujić vom Iceberg Salat Centar. Sie wies darauf hin, dass die Neuausrichtung der Marketingaktivitäten vom klassischen Marketing (Outbound-Marketing - Radio, TV-Werbung, Printanzeigen, etc.) zum innovativen Marketing (Inbound-Marketing - soziale Netzwerke und Blogs) zum großen Erfolg des Unternehmens beigetragen habe. Darüber hinaus ermöglichten innovative Marketinginstrumente ihren Kundinnen und Kunden, direkt mit dem Unternehmen zu interagieren und ihre Meinung zu äußern, was für die Verbesserung bestehender und oder der Entwicklung neuer Produkte sehr wichtig ist.

Dass die Digitalisierung in der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung eine der obersten Prioritäten der serbischen Regierung ist, bestätigte der stellvertretende Minister für internationale Zusammenarbeit und europäische Integration des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und technologische Entwicklung, Prof. Dr. Viktor Nedović. Er erwähnte, dass Digitalisierungsprozesse in allen Bereichen der serbischen Wirtschaft stattfinden.

„Digitalisierungsprozesse in der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung sollten aus einer breiten Perspektive betrachtet werden, von allen Sensorenarten, die auf dem Feld eingesetzt werden, über GPS-gesteuerte Landmaschinen, Feldkartierung durch Drohnen, Automatisierung in der Lebensmittelverarbeitung bis hin zu sozialen Netzwerken. Die Digitalisierung ermöglicht Innovationsprozesse, sorgt für mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette und trägt dazu bei, ein höheres Vertrauen zwischen Konsumenten und Akteuren der Wertschöpfungskette zu schaffen“, stellt der Veranstalter des Food 4.0-Workshops, Dr. Ivan Đurić, abschließend fest.