Hintergrund Die Agrar- und Nahrungsmittelmärkte in Mittel- und Osteuropa (MOE) als Generalthema des IAMO Forums 2005 verdienen die Aufmerksamkeit von Forschung und Politik vor allem aus zwei Gründen. Zum einen hat der Agrar- und Nahrungsmittelsektor in den meisten mittel- und osteuropäischen Staaten hinsichtlich seines Einkommens- und Beschäftigungsbeitrags ein relativ großes Gewicht. Besonders ländliche Gebiete können von der Entwicklung dieses Sektors profitieren. Zum zweiten gibt es Anzeichen dafür, dass die Agrar- und Nahrungsmittelmärkte in MOE keinen hinreichend reibungslosen Austausch ermöglichen. So ist im Bereich der Faktormärke der Grundstücksverkehr in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) durch gesetzliche oder bürokratische Hindernisse beeinträchtigt und Kapitalengpässe begrenzen die Produktion, wo Kreditmärkte nicht hinreichend entwickelt sind. Des weiteren sind die Marktaktivitäten in der Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel wesentlich geringer, als es bei günstigen infrastrukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie hinreichender Markttransparenz und berechenbarer Politik zu erwarten wäre. Die hohe Verbreitung von Verhaltensmustern, wie Barterhandel und Eigenerzeugung von Nahrungsmitteln, zeigen, dass in den MOEL der Austausch mit hohen Transaktionskosten belastet ist, bzw., dass auf die Nutzung von Vorteilen durch Handel bzw. Arbeitsteilung gänzlich verzichtet wird. Schließlich erlaubt der fehlende Wettbewerb einzelnen Firmen, diese Marktunvollkommenheiten zu nutzen, also Marktmacht auszuüben und den Austausch auf ein suboptimales Niveau einzuschränken. So wie der Entwicklungsstand des Ernährungssektors und die Integration in den internationalen Warenverkehr, sind auch die Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung der Märkte von Land zu Land sehr unterschiedlich. So sind in den fortgeschrittensten neuen EU-Mitgliedsländern andere Prioritäten zu setzen, als in Ländern wie Weißrussland und Moldau, wo die Transformation wesentlich weniger fortgeschritten ist. Ein Jahr nach der Einbeziehung von acht mittel- und osteuropäischen Ländern in den gemeinsamen europäischen Markt wird eine erste Bestandsaufnahme über die dadurch ausgelösten Veränderungen am Markt möglich sein. Zielsetzung Grundlegendes Verständnis dafür, wo, wie und in welchem Maße die Agrar- und Nahrungsmittelmärkte von den genannten Behinderungen betroffen sind, ist notwendig, um (i) die Entwicklungsperspektiven der MOEL abschätzen zu können, (ii) adäquate Politikmaßnahmen zur Erleichterung der Marktabläufe zu entwickeln und (iii) Unternehmensstrategien zu entwickeln, die unter den Bedingungen der MOEL erfolgversprechend sind. Das IAMO Forum wird Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Verwaltung Gelegenheit bieten, Forschungsergebnisse vorzustellen und gewonnene Erfahrungen zu diskutieren. Dadurch werden sie dazu beitragen, Prioritäten für die Politikgestaltung, die Unternehmensführung sowie für die zukünftige Forschung zu identifizieren. |
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